25. Februar 2025
Tarifrunde Textil und Bekleidung West 2025
IG Metall kündigt Warnstreiks an
Das Angebot der Arbeitgeber in der zweiten Tarifverhandlung der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie kam zögerlich und löste dann Empörung bei den Verhandlungsmitgliedern aus. Die Prozente seien zu niedrig und die Altersteilzeit soll komplett wegfallen.

Die IG Metall weist das Angebot der Arbeitgeber nach der zweiten Tarifverhandlung der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie am Dienstag zurück und kündigt Warnstreiks an. Über 300 Beschäftigte demonstrierten zuvor vor dem Verhandlungslokal für ihre Forderungen. Am 28. Februar läuft die Friedenpflicht aus. Ab dem 1. März können somit Warnstreiks beginnen.


Mit ihrem Angebot haben die Arbeitgeber ein Reallohn-Minus gefordert: Danach sollen die Beschäftigten ab Ende dieses Jahres lediglich 1,3 Prozent mehr Geld erhalten, ein Jahr später 1,7 Prozent. Allein für 2025 und 2026 rechnen die Wirtschaftsinstitute mit einer Inflationsrate von 2 Prozent.

Die IG Metall zeigte sich entsetzt über das Angebot der Arbeitgeberseite: „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind finanziell und gesundheitlich äußerst belastet. Warnstreiks sind unausweichlich. Wir machen jetzt deutlich: Unser Geduldsfaden ist äußerst dünn“, sagt IG-Metall Verhandlungsführerin Miriam Bürger. Das Angebot der Arbeitgeber wies die IG Metall als ein „Päckchen mit zu viel Luft statt eines vernünftigen Pakets“ zurück.


Mitglieder sollen besonders entlastet werden

Die IG Metall fordert 6,5 Prozent, mindestens aber 200 Euro, um besonders die unteren Entgeltgruppen zu entlasten. Überhaupt steht das Wort „Entlastung“ im Mittelpunkt der aktuellen Forderungen. Die Altersteilzeit soll mit dem neuen Tarifvertrag nicht nur erhalten, sondern die verfügbaren Plätze pro Unternehmen auch ausgeweitet werden. Auf diese Weise soll die ältere Belegschaft früher und somit mit weniger belastet in Rente gehen können.

Durch Gespräche zu einem Mitgliederbonus sollen außerdem die IG Metall-Mitglieder entlastet werden. Sie leisten durch ihre Mitgliedschaft nicht nur einen besonderen finanziellen Beitrag, sondern setzen sich auch aktiv für bessere Tarifverträge ein. Das soll belohnt werden.


Beschäftigte demonstrieren ihre Stärke

Wie ernst es den Beschäftigten ist und wie sehr sie bereit sind, ihre Forderungen auf die Straße zu bringen, demonstrierten die rund 300 Beschäftigten bei der Aktion vor dem Verhandlungslokal. Guido Greb ist um 2 Uhr morgens aufgestanden und 500 Kilometer weit gereist, um in Ingolstadt vor den Arbeitgebern zu demonstrieren. „Wir sind hier, weil wir mehr Geld fordern. Alles wird teurer“, sagt der Beschäftigte von TWE Dierdorf. Die Arbeitgeber sollten sich warm anziehen, prophezeit er und spielt damit auf die möglichen Warnstreiks an.

Auch Alena Kuhn ist angereist, weil ihr die Forderungen am Herzen liegen. „Ich kämpfe dafür, dass uns das erhalten bleibt, was die IG Metall als Gewerkschaft uns erkämpft hat“, sagt sie und nennt explizit die Altersteilzeit. „Die brauchen wir, weil sie auch eine Anerkennung dafür ist, was wir Beschäftigten über viele Jahre geleistet haben“, betont sie. Sie arbeitet seit über 26 Jahren bei der Paul Hartmann AG.

Auch Beschäftigte aus anderen Branchen zeigten ihre Solidarität – etwa von Audi oder Airbus. „Unsere 30.000 Beschäftigten stehen hinter euch“, versicherte Karola Frank in ihrer Rede. Sie ist stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Audi in Ingolstadt und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IG Metall. „Wir Metallerinnen und Metaller, wir kämpfen zusammen und das branchenübergreifend“, rief sie ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie zu.


Starker Reallohnverlust

In der Verhandlung hat sich gezeigt, wie weit Arbeitgeber und IG Metall noch von einem Abschluss entfernt sind. Die Arbeitgeber beharrten wie bereits in der ersten Verhandlung auf die insgesamt schwierige Wirtschaftslage. Das trifft auch die Branche der Textil- und Bekleidungsindustrie. Ein Blick in die Unternehmen zeigt jedoch eine heterogene Gemengelage. Während manche Unternehmen Kurzarbeit ankündigen, wird bei anderen über Erfolgsbeteiligungen diskutiert.

Über die unterschiedliche Lage in den Unternehmen hinaus brauchen die Beschäftigten dringend eine finanzielle Entlastung: Das zeigt auch die Entwicklung des Reallohns der vergangenen Jahre. Die Inflation hat die Reallöhne der Beschäftigten unter das Niveau von 2010 gedrückt – und das trotz guter prozentualer Erhöhungen aus der letzten Tarifrunde.


Warnstreikvorbereitungen vor der nächsten Verhandlung

Der nächste Verhandlungstag findet am 12. März statt. Anja Dieninghoff, Betriebsratsvorsitzende bei C&A Wölte wird auch hier wieder als Teil der

Verhandlungskommission dabei sein. Sie spricht von einem unakzeptablen Angebot und plant die nächsten Schritte bis zur nächsten Verhandlung.

„Die prozentuale Erhöhung ist zu niedrig, die Altersteilzeit fällt komplett hinten runter, obwohl wir klar gemacht haben, wie dringend wir die Altersteilzeit benötigen. Wir werden jetzt in die Startlöcher gehen, um Druck auszuüben. Unsere Belegschaft plant bereits für einen Warnstreik. Wir werden gemeinsam vor unser Tor ziehen.“


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