Tarifbewegung Holz und Kunststoff 2025/26
Verhandlungsergebnis für Holz und Kunststoff

In Baden-Württemberg gibt es das erste Verhandlungsergebnis für die Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie: Einmalzahlung, Entgelterhöhung in zwei Stufen und eine Erhöhung der Auszubildendenvergütungen. Mittlerweile liegen auch in anderen Tarifgebieten Abschlüsse vor.

21. November 202521. 11. 2025 |
Aktualisiert am 13. Februar 202613. 2. 2026


Arbeitgeber und IG Metall haben sich in der Tarifbewegung der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie in den Tarifgebieten Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Bremen sowie Rheinland-Pfalz, Sachsen, Hessen, Westfalen-Lippe, Thüringen und Sachsen-Anhalt auf ein Verhandlungsergebnis geeinigt. Das Ergebnis sieht jeweils eine Einmalzahlung sowie eine tabellenwirksame Entgelterhöhung in zwei Stufen vor. Bundesweit hatten 14 500 Beschäftigte mit Aktionen Druck gemacht für Bewegung an den Verhandlungstischen.

„Dieses austarierte Tarifergebnis spiegelt die Lage der Branche und der Beschäftigten wider. Der Aufschwung braucht dauerhaft steigende Entgelte. Das stärkt die Kaufkraft der Beschäftigten. Die betriebs- und gesamtwirtschaftliche Vernunft hat gesiegt“, bewertet Tarifvorständin Nadine Boguslawski das erste Verhandlungsergebnis aus Baden-Württemberg.


Verhandlungsergebnis in Baden-Württemberg  

Konkret sieht das Ergebnis aus Baden-Württemberg eine Entgelterhöhung in zwei Stufen vor: ab Juni 2026 gibt es eine dauerhafte Entgelterhöhung von 2 Prozent, ab Juli 2027 weitere 2,2 Prozent mehr Geld. Zusätzlich bekommen die Beschäftigten im April 2026 eine Einmalzahlung von 300 Euro. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Zahlung anteilig. Auch die Auszubildenden erhalten eine Einmalzahlung von 150 Euro sowie eine Erhöhung der Auszubildendenvergütung in zwei Stufen um jeweils 30 Euro.  

Betriebe in nachweislichen Schwierigkeiten können die Einmalzahlung verschieben, müssen ihren Beschäftigten aber bis spätestens Anfang 2027 das Geld auszahlen. Das Ergebnis sieht eine Laufzeit von 27 Monaten bis zum Januar 2028 vor. 

„Das ist kein Ergebnis zum Jubeln, aber eines, das in die Zeit passt. In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld ist es gelungen, spürbare Entgeltsteigerungen und eine finanzielle Anerkennung für die Beschäftigten zu vereinbaren“, so Matthias Fuchs, IG Metall-Verhandlungsführer aus Baden-Württemberg.


Verhandlungsergebnis in Bayern  

Auch die rund 10.000 tarifgebundenen Beschäftigten in Bayern erhalten in zwei Stufen mehr Geld, im Juni 2026 zunächst 2,0 Prozent, im Juli 2027 dann weitere 2,2 Prozent.

Zusätzlich bekommen alle Beschäftigte im April 2026 eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro. Die unteren Entgeltgruppen bekommen im Oktober 2026 eine weitere Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Einmalzahlungen anteilig. Bei einer schwierigen wirtschaftlichen Lage im Betrieb können die Einmalzahlungen bis maximal April 2027 verschoben werden.

Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen um 50 Euro und 40 Euro. Außerdem erhalten Auszubildende eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro. Der Tarifvertrag läuft bis Ende Januar 2028.


Verhandlungsergebnis Niedersachsen und Bremen

Auch für das Tarifgebiet Niedersachsen und Bremen haben Arbeitgeber und IG Metall sich auf ein Verhandlungsergebnis geeinigt: Zum Juni 2026 erhöhen sich die Tabellenentgelte um 2,0 Prozent, im Juli 2027 folgt eine weitere Anhebung um 2,2 Prozent. Außerdem erhalten alle Beschäftigten und Auszubildenden eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro.

Die Parteien einigten sich zudem auf einen exklusiven Vorteil für Mitglieder der IG Metall. Diese erhalten mit der Aprilabrechnung 2026 eine zusätzliche Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro brutto. Die Zahlung soll ausschließlich an die Mitglieder der Gewerkschaft erfolgen. „Diese Einmalzahlung ist eine Wertschätzung denen gegenüber, die Tarifverträge erst möglich machen: die Mitglieder der IG Metall. Die Tarifparteien haben dies erkannt und sind sich einig, dass Engagement sich auszahlen muss“, sagt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall.

Teilzeitbeschäftigte erhalten die Einmalzahlungen anteilig, Auszubildende erhalten sie bei nachgewiesener Mitgliedschaft in voller Höhe, was eine deutlich überproportionale Zahlung darstellt. Auch die Auszubildenden profitieren neben dem Gewerkschaftsbonus spürbar von dem Abschluss. Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen jeweils zum 1. September 2026 und 2027 um insgesamt 120 Euro. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis Ende Januar 2028.


Verhandlungsergebnis in Rheinland-Pfalz, Hessen 

In den Tarifgebieten Rheinland-Pfalz und Hessen ist das Verhandlungsergebnis deckungleich mit dem aus Baden-Württemberg: sowohl was die Höhe und Terminierung der Einmalzahlung, der prozentualen Erhöhungen und der Laufzeit angeht.

 

Verhandlungsergebnis in Sachsen 

Die IG Metall und die Arbeitgeber der Holz‑ und Kunststoffindustrie in Sachsen haben sich ebenfalls auf ein Verhandlungsergebnis verständigt. Das Ergebnis bringt den Beschäftigten Entgeltsteigerungen, eine Einmalzahlung sowie eine Angleichungskomponente. Konkret sieht der Abschluss eine Einmalzahlung von 300 Euro im April 2026 vor, wobei Auszubildende 150 Euro erhalten. Ab Juni 2026 steigen die Entgelte um 2 Prozent, im März 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 0,8 Prozent und im Juli 2027 ein Plus von 2,2 Prozent. Die Ausbildungsvergütungen werden im August 2026 sowie im August 2027 jeweils um 50 Euro angehoben. Der Tarifvertrag läuft bis Ende Januar 2028.


Verhandlungergebnis in Westfalen-Lippe

Die IG Metall NRW hat sich mit dem Verband der Holzindustrie und Kunststoffverarbeitung Westfalen-Lippe sowie dem Fachverband Serienmöbelbetriebe des Handwerks auf ein Tarifergebnis geeinigt. Die Entgelte der rund 30 000 Beschäftigten in der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie steigen ab 1. Juni 2026 um 2 Prozent und ab 1. Juli 2027 um weitere 2,2 Prozent. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro im April 2026. Teilzeitbeschäftigte erhalten diese Einmalzahlung anteilig, mindestens aber 200 Euro.

Die Ausbildungsvergütungen steigen um 45 Euro ab 1. August 2026 und ab 1. August 2027 um weitere 45 Euro in jedem Ausbildungsjahr pro Monat an. Zudem erhalten die Auszubildenden eine Einmalzahlung von 200 Euro. Die Laufzeit des Tarifvertrags endet am 31. Januar 2028.
 

Verhandlungsergebnis Thüringen

Die Entgelte der rund 20 000 Beschäftigten der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Thüringen steigen in vier Schritten: Ab 1. Juni 2026 werden die Entgelte um 2 Prozent angehoben, ab 1. November 2026 um 0,7 Prozent, ab 1. April 2027 um 0,8 Prozent und ab 1. Juli 2027 um weitere 2,2 Prozent. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro im April 2026.

Die Ausbildungsvergütungen steigen ab 1. August 2026 um 70 Euro und ab 1. Juli 2027 um weitere 30 Euro pro Monat in jedem Ausbildungsjahr an. Im vierten Ausbildungsjahr erhalten Auszubildende damit monatlich 1270 Euro ab 1. Juni 2026 und ab 1. Juli 2027 1300 Euro pro Monat. Zudem erhalten die Auszubildenden eine Einmalzahlung von 150 Euro im April 2026.

 

Verhandlungsergebnis Sachsen-Anhalt

Für die 4500 Beschäftigten der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Sachsen-Anhalt sieht der Abschluss eine Entgelterhöhung von 2 Prozent zum Juni 2026 und eine weitere im Juni 2027 von 2,2 Prozent vor. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro. 

Die Ausbildungsvergütungen steigen in zwei Stufen jeweils zum 1. August 2026 und 2027 um insgesamt 120 Euro. Sie erhalten zudem je nach Ausbildungsjahr zwischen 180 und 300 Euro als Einmalzahlung. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis Januar 2028.


Hunderte Beschäftigte vor Verhandlungslokal  

Ab dem 12. Januar hatten sich bundesweit zahlreiche Beschäftigte an Aktionen und Warnstreiks vor den Werkstoren beteiligt. Vor dem Beginn der Verhandlung im baden-württembergischen Laupheim stärkten 500 Beschäftigte bei einer großen Warnstreikaktion der Verhandlungskommission den Rücken. „Das war eine tolle Aktion vor dem Verhandlungslokal. Alles was zu einem guten Warnstreik gehört, haben die Kolleginnen und Kollegen geliefert“, bekräftigt IG Metall-Tarifexpertin Inga Neumann. „Ohne ihren Einsatz wäre der Durchbruch in den Verhandlungen nicht möglich gewesen.“ Insgesamt hatten sich in dieser Tarifbewegung 7500 Menschen an Warnstreiks beteiligt.

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