Werkverträge: Mercedes-Benz in Mannheim lagert Logistik aus
Sozialdumping auf Kosten der Beschäftigten

Kosten sparen, Mitbestimmung umgehen – die Auslagerung von Arbeit durch Werkverträge ist für Unternehmen zu einem lohnenden Geschäftsmodell geworden. Das hat auch Mercedes-Benz für sich entdeckt – und vergibt die Logistik im Mannheimer Werk an eine Fremdfirma.

28. Juli 201528. 7. 2015


Bei Mercedes-Benz in Mannheim quietscht es heftig im Getriebe. Ein Großteil der Logistik des Motorenwerkes wird ausgelagert. Das gab die Geschäftsleitung nun bekannt. Ab August wird das Unternehmen Transco Teile der operativen Logistik auf dem Mannheimer Werksgelände übernehmen. Im Frühjahr 2016 sollen weitere Teile der bisher von Daimler betriebenen Logistik außerhalb des Werksgeländes folgen. 300 Beschäftigte sind im Laufe des nächsten Jahres insgesamt betroffen.
 

Beschäftigte zahlen die Zeche

Konkret heißt das: Rund 100 Stammbeschäftigte – einige davon 50 Jahre und älter – müssen zum 1. August ihren Platz in der Werkslogistik räumen und eine andere Stelle im Unternehmen antreten. Transco besetzt diese Stellen dann selbst. Und entscheidet auch über die jeweiligen Konditionen. Darüber hinaus wandern bis zu 50 aktuell noch bei Daimler angesiedelte Leiharbeitsplätze künftig zu Transco. Zu deutlich schlechteren Bedingungen.

Denn bislang gilt für die noch der Tarifvertrag Leih- und Zeitarbeit in der Metall- und Elektroindustrie. „Uns liegen Arbeitsverträge vor, die zeigen: Das Lohnniveau bei Transco liegt um ein Drittel unter dem der bisherigen Leiharbeitnehmer und um die Hälfte unter dem der Stammbeschäftigten – bei einer um fünf Stunden längeren Wochenarbeitszeit. Es gibt drei Tage weniger Urlaub, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld, keine vertragliche Regelung für Zuschläge bei Mehrarbeit, Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit“, sagt Reinhold Götz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Mannheim.
 

Mitbestimmung? Nicht erwünscht!

Und auch gegen gewerkschaftlichen Einfluss wehrt sich Transco mit allen Mitteln: „Bewerberinnen und Bewerber wurden im Einstellungsgespräch nach ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit befragt und bei Bejahung aussortiert. Wir prüfen in diesem Zusammenhang aktuell rechtliche Schritte gegen das Unternehmen, um diese gesetzeswidrige Praxis zu unterbinden“, so Götz weiter.

Betriebsrat und IG Metall hatten mit allen rechtlichen und politischen Möglichkeiten versucht, die Ausgliederung zu verhindern. Das ist nicht gelungen.

„In den letzten zehn Jahren konnten wir den Logistikbereich hier am Standort halten – dank einer Betriebsvereinbarung zum Dienstleistungstarifvertrag. Das Unternehmen wollte jetzt aber aussteigen“, sagt Joachim Horner, Vorsitzender des Betriebsrates bei Mercedes-Benz in Mannheim. „Mit einer Vereinbarung zur Standortsicherung ist es uns gelungen, zusätzliche Investitionen in die Produktion festzulegen und damit die Stammbelegschaft abzusichern. Allerdings gab es keine Möglichkeit in dieser Vereinbarung die Fremdvergabe eines großen Teils der Logistik zu verhindern“, erzählt er weiter.

Jetzt geht es darum, die Transco-Beschäftigten bei der Gründung eines Betriebsrates zu unterstützen und einen Tarifvertrag abzuschließen.

„Wir fordern das Unternehmen ausdrücklich auf, mit uns das Gespräch aufzunehmen, um gemeinsam zu tariflichen Vereinbarungen zu kommen. Transco kann sich sicher sein, dass wir die Kolleginnen und Kollegen nicht im Regen stehen lassen und sie auf dem Weg zu ordentlich bezahlten und tarifvertraglich abgesicherten Arbeitsverträgen mit aller Kraft unterstützen werden“, sagt Reinhold Götz.

Die IG Metall fordert von der Politik, den Missbrauch von Werkverträgen durch strengere gesetzliche Regelungen einzudämmen. Betriebsräte müssen mitentscheiden dürfen, wenn Arbeit vom Stammbetrieb an Fremdfirmen vergeben werden soll.

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