Der Streik bei Stanley Feinwerktechnik in Lahnau (Mittelhessen) ist nach knapp zwei Wochen beendet – mit Erfolg: Die 60 Beschäftigten haben den Einstieg in die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie erkämpft. Damit bekommen sie deutlich mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten. Ab Dienstagmorgen wird wieder gearbeitet. Dafür stimmten am Montag in einer zweiten Urabstimmung 100 Prozent der IG Metall-Mitglieder im Betrieb, der zum Black & Decker-Konzern gehört.
„Vor drei Jahren haben die Beschäftigten erstmalig ihren Betriebsrat gewählt. Seit Ende 2024 kämpft die Belegschaft bei Stanley Feinwerktechnik für einen Tarifvertrag“, erklärt Betriebsbetreuer Sascha Gerlach von der IG Metall Mittelhessen. „Dieses Verhandlungsergebnis ist der Ausdruck von acht Tagen Streik einer kleinen Belegschaft in einem bisher in Mittelhessen beispiellosen Kampf um Anerkennung, Verantwortung und Gerechtigkeit.“
Einstieg in den Metall-Tarif ab sofort
Einige Tarifregelungen der Metall- und Elektroindustrie gelten ab sofort. Für die Auszubildenen steigen bereits mit der Mai-Abrechnung die Vergütungen auf Metall-Tarif – und ihre Arbeitszeit sinkt ab sofort auf 35 Stunden in der Woche.
Die ausgelernten Beschäftigten erhalten im Juni einmalig 1000 Euro netto – sowie ab Juli 1,50 Euro mehr Geld in der Stunde, mindestens jedoch 261 Euro mehr in Monat. Im September kommen dann noch einmal 3,1 Prozent mehr Geld obendrauf – und es gelten dann die Tarifentgelte der Metall- und Elektroindustrie.
Ihre Arbeitszeit sinkt schrittweise von 40 auf 37,5 Stunden ab Januar 2027 und dann auf 35 Stunden in der Woche ab Januar 2028 – bei vollem Lohnausgleich.
Ab 2027 kommen dann auch die tariflichen Jahres-Sonderzahlungen dazu – das Tarifliche Zusatzgeld (T-ZUG) sowie das Transformationsgeld (T-Geld).
Ausschließlich für IG Metall-Mitglieder gibt es zusätzlich einen Mitgliederbonus in Höhe von 500 Euro im Januar 2027.
An seinen Plänen zum Abbau von rund einem Drittel der Stellen bei Stanley hält der Arbeitgeber jedoch bislang weiter fest. Die Verhandlungen hierzu laufen noch. Geregelt sind jedoch bereits Abfindungen in Höhe von 1,2 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr, sowie 6-12 Monate Transfergesellschaft, in der Beschäftigte qualifiziert und in neue Jobs vermittelt werden.

Streik bei Stanley Feinwerktechnik in Lahnau / Mittelhessen
Mit Solidarität gegen Diskriminierung
Der Streik bei Stanley begann am 4. Mai. 100 Prozent der IG Metall-Mitglieder im Betrieb haben in einer ersten Urabstimmung für den Streik gestimmt, nach fast zwei Jahren Verhandlungen und drei Warnstreiks.
Die Beschäftigten kämpften auch für Gleichbehandlung: Andere Unternehmen des Black & Decker-Konzerns wie die benachbarten drei Werke der Tucker GmbH in Gießen und Linden sind schon länger tarifgebunden im Metall-Tarif. Die Stanley-Beschäftigten bekamen bislang 15 Prozent weniger Geld. Bei ihren Aktionen während des Streiks besuchten die Stanley-Beschäftigten auch alle drei Tucker-Werke. Die Tucker-Beschäftigten wiederum unterstützen ihre Kolleginnen und Kollegen bei Stanley bei ihren Aktionen.
Mehr als 50 Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland und darüber hinaus sind bereits eingegangen. Unter anderem dabei sind die Belegschaften von: Volkswagen, Daimler Truck, Ford, Audi, Schunk, Bosch, Mahle, Leica Camera, Leica Microsystems, Asco Deutschland, YKK, Telekom, Musashi, Tadano, Jungheinrich, Avnet, Tucker, Dexion, Boge.
Über 70 individuelle Spenden von verschiedenen Belegschaften, Betriebsräten, Parteien, Verbänden und Einzelpersonen gingen auf das Solidaritätskonto für die Streikenden ein.
„Den entscheidenden Unterschied haben der wiedergewonnene Zusammenhalt und die unbedingte Entschlossenheit der IG Metall-Mitglieder gemacht“, meint Uwe Zabel, Verhandlungsführer des IG Metall-Bezirks Mitte. „Ohne diese beiden Faktoren hätte es den Durchbruch in den Verhandlungen nicht gegeben. Ein Erfolg der Solidarität.“
Hintergründe, Berichte und Videos vom Streik bei Stanley Feinwerktechnik bei der IG Metall Mittelhessen.