Aufgaben und Tätigkeiten kompakt
Hörakustikermeister/innen organisieren die Arbeitsabläufe, leiten Fachkräfte an und sind für die betriebliche Ausbildung verantwortlich. Sie nehmen kaufmännische und verwaltende Aufgaben wahr, verhandeln mit Lieferanten, kalkulieren Angebote, erledigen den betriebsbezogenen Schriftverkehr und beraten Kunden. Vor allem in kleineren Betrieben arbeiten sie auch selbst praktisch mit und ermitteln beispielsweise die Kenndaten einer Resthörfähigkeit, wählen die entsprechenden Hörsysteme aus und passen sie an, führen Hörtrainings und Audiotherapien durch oder programmieren Hörsysteme. Sofern sie als Selbstständige einen Hörakustikerbetrieb leiten, entwickeln sie die betrieblichen Grundsätze und bestimmen Art und Umfang der Investitionen. Darüber hinaus entscheiden sie über die Personalauswahl und kontrollieren den wirtschaftlichen Erfolg.
Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen
Fachaufgaben
-
Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden ermitteln, Anamnese erheben, Indikationen und Kontraindikationen für eine Versorgung mit Hör-, Hörassistenzsystemen und Sonderversorgungen feststellen
-
Kunden aufgrund der ermittelten Daten über geeignete Hörsysteme informieren, Voreinstellung durchführen, Hörsysteme anpassen
-
Hörhilfen auf die Anforderungen bestimmter Personengruppen (z.B. Kinder) abstimmen
-
Materialien, Hilfsmittel, Geräte und Maschinen auswählen und einkaufen (z.B. Kunststoffe für Otoplastiken, Hörhilfen wie Hinter-dem-Ohr- und Im-Ohr-Geräte, Messgeräte wie Audiometer), ggf. in Zusammenarbeit mit Einkauf oder Betriebsleitung
-
besonders anspruchsvolle Arbeiten ggf. selbst ausführen, z.B. schwierige Abformungen des Außenohres und der Gehörgänge herstellen, Hörsysteme programmieren
-
Hörtrainings und Audiotherapien durchführen, Tinnitus bestimmen und behandeln
-
technische Unterlagen erstellen, ggf. am Computer Feinabstimmungen der virtuellen Modelle von Ohrabformungen vornehmen
Führungsaufgaben
-
Betriebs- und Arbeitsabläufe inhaltlich und terminlich planen, organisieren und steuern
-
über die Auswahl der Betriebsmittel (z.B. neue Audiometer, Modellierungssoftware) entscheiden, Kostenfaktoren analysieren, beeinflussbare Kosten minimieren
-
Aufgaben und Prozesse des betrieblichen Qualitätsmanagements planen und durchführen
-
Betriebsbereitschaft und rationellen Einsatz der Betriebsmittel, Materialien und Hilfsmittel sicherstellen
-
in der Produktion von Hörsystemen Aufgaben in Bereichen wie Arbeitssteuerung, Produktionsüberwachung und Qualitätssicherung übernehmen
-
Aufgaben im Vertrieb und bei der Umsetzung von Vertriebskonzepten übernehmen
-
die Einhaltung von Kostenrahmen und Terminen überwachen
-
Angebote kalkulieren, Auftragsabwicklung und Controlling übernehmen
-
an der Entwicklung neuer Produkte mitwirken
-
mit Fachärzten und -ärztinnen und Krankenkassen zusammenarbeiten
-
Mitarbeiter/innen anleiten und fachlich unterstützen, bei deren Weiterbildung mitwirken
-
den betrieblichen Teil der Ausbildung durchführen
Leitungsfunktionen bei Selbstständigkeit
-
die Grundsätze für das gesamte kaufmännische, personelle und technische Geschehen im Betrieb festlegen
-
unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Umfeldes die Geschäftspolitik bestimmen und künftige Betriebsstrategien entwickeln
-
Marketingkonzepte entwickeln
-
mit Auftraggebern, Lieferanten, Verbänden und Kreditinstituten verhandeln und zusammenarbeiten
Verdienst/Einkommen
Beispielhafte tarifliche Bruttogrundvergütung (monatlich): € 3.399 bis € 4.044
Quelle:
Tarifsammlung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales
Hinweis: Diese Angaben dienen der Orientierung. Ansprüche können daraus nicht abgeleitet werden.
Verdienst/Einkommen
Das Einkommen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen hängt von der Aus- und Weiterbildung, Berufserfahrung und Verantwortlichkeit ab, aber auch von den jeweiligen Anforderungen des Berufs, von Branche, Region und Betrieb. Die Höhe richtet sich in tarifgebundenen Betrieben nach tarifvertraglichen Vereinbarungen. Nicht tarifgebundene Betriebe können ihre Mitarbeiter/innen in Anlehnung an entsprechende Tarifverträge entlohnen.
Weitere Informationen über Einkommensmöglichkeiten:
Tätigkeitsbezeichnungen
Auch übliche Berufsbezeichnungen/Synonyme
Frühere Berufsbezeichnung
Arbeitsorte
Hörakustikermeister/innen arbeiten in erster Linie
-
in Werkstätten
-
in Akustiklabors
-
in Büroräumen
Darüber hinaus arbeiten sie ggf. auch
Arbeitssituation
Hörakustikermeister/innen leiten kleinere Betriebe des Hörakustiker-Handwerks oder übernehmen Leitungsaufgaben in größeren Handwerksbetrieben bzw. in der Industrie. Hierfür sind Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen erforderlich, für die Anleitung und Motivierung der Mitarbeiter/innen auch Sozialkompetenz und Führungsqualitäten. Büroarbeiten erfordern Genauigkeit und Konzentration. Hörakustikermeister/innen übernehmen auch praktische Aufgaben. Wenn sie Kunden beraten oder Hörtrainings durchführen, benötigen sie Serviceorientierung und Kommunikationsstärke, im Umgang mit Lieferanten Verhandlungsgeschick. Das Berechnen von Hörhilfen wie auch das Zusammenfügen kleiner Einzelteile und das Erstellen technischer Unterlagen erfordert Präzision und Sorgfalt.
Hörakustikermeister/innen arbeiten viel mit der Hand, bedienen aber auch Maschinen, Geräte und Messsysteme, erstellen virtuelle Modelle am Computer oder programmieren Hörsysteme. Sie sind in Büroräumen, Werkstätten bzw. Produktionshallen und Verkaufsräumen tätig. In der Produktion sind sie z.T. Lärm und Schleifstaub ausgesetzt, die Gerüche von Klebstoffen und Lösungsmitteln können in der Luft liegen. In Fachgeschäften ist Samstagsarbeit üblich.
Arbeitsbedingungen im Einzelnen
-
Verantwortung für Personen (Auszubildende und Nachwuchskräfte schulen; Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einarbeiten und motivieren)
-
Präzisions-, Feinarbeit (z.B. beim Einstellen eines Hörgerätes, beim Herstellen von Abformungen)
-
Kundenkontakt (z.B. Hörtests und Hörtrainings mit Kunden durchführen; geeignete Hörhilfen auswählen und anpassen)
-
Arbeit mit technischen Geräten, Maschinen und Anlagen (z.B. Geräte der Audiometrie wie In-Situ-Anlagen und Lautheitsskalierungsanlagen oder auch unterschiedliche Geräte für die Bearbeitung der Ohrabdrücke)
-
Handarbeit (insbesondere in kleineren Betrieben oder Werkstätten häufiges Ausführen besonders anspruchsvoller Arbeiten durch den Meister/die Meisterin)
-
Bildschirmarbeit
-
Arbeit im Labor (in Akustiklabors)
-
Arbeit in Büroräumen (z.B. um Verwaltungsaufgaben durchzuführen oder die Korrespondenz mit Kunden und Lieferanten zu führen)
-
Arbeit in Verkaufsräumen (z.B. bei der Kundenberatung)
-
Arbeit in Werkstätten, Werk-/Produktionshallen
-
enger Körperkontakt mit Menschen (z.B. beim Einsetzen eines Hörsystems)
Arbeitsgegenstände/Arbeitsmittel
Produkte und Zubehör, z.B.: Hör- und Hörassistenzsysteme, Sonderversorgungen, z.B. Implantate; Hörschutz, Otoplastiken, Freisprecheinrichtungen für Mobiltelefone, Telefon-Anbindung für Hörgeräte, Trockenbox für Hörgeräte
Anlagen, Geräte und Werkzeuge, z.B.: In-situ-Anlagen zur Messung von Hörgeräten und Otoplastiken, Messboxen, Skalierungsmodule, Laserscanner, Bohr- und Fräsgeräte, ggf. 3-D-Drucker, Lupen (Otoskope), Elektronikzangen, Pinzetten
Hilfsstoffe, z.B.: Silikon, Acryl, allergenfreie Kunststoffe, Klebstoffe, Reinigungs- und Pflegemittel
Unterlagen, Daten und Software, z.B.: technische Zeichnungen, Schalt- und Montagepläne, 3-D-Modelle der anzufertigenden Otoplastiken, Kundendaten, Modellierungssoftware, Simulations-Tools z.B. für die Hörgeräteanpassung
Büroausstattung, z.B.: PC, Internetzugang, Telefon
Arbeitsbereiche/Branchen
Hörakustikermeister/innen finden Beschäftigung
Branchen im Einzelnen